Wenn das Mass verloren geht


    KOLUMNE – PERSPECTIVE CH


    (Bild: zVg) Christoph Riner

    Wie viel Veränderung verträgt ein Land, bevor es sich selbst nicht mehr wiedererkennt?

    Auf dem Weg zu einer 10-Millionen-Schweiz stellt sich genau diese Frage. Und sie ist entscheidend für die Zukunft unseres Landes. Die Nachhaltigkeitsinitiative gegen eine 10-Millionen-Schweiz, über die wir am 14. Juni 2026 abstimmen, ist eine Richtungsentscheidung, gerade auch für kommende Generationen.

    Die Veränderung ist längst Realität, nicht nur in Zahlen, sondern im Alltag. Aus Wiesen werden Überbauungen, aus Ruhe wird Dichte, aus Vertrautem wird Tempo. Und oft merkt man den Verlust erst, wenn er bereits passiert ist.

    Auch mit der Initiative könnten jährlich weiterhin rund 40’000 Menschen in die Schweiz einwandern. Es geht aber darum, wieder ein Mass zu finden, das unser Land tragen kann.

    Wie lange kann Wachstum gut gehen, wenn das Gleichgewicht verloren geht? Wegschauen ist keine Lösung.

    Wohlstand ist in der Debatte das Wort der Stunde. Wohlstand ist mehr als ein dickes Bankkonto. Wohlstand heisst Sicherheit im Alltag, funktionierende Infrastruktur, intakte Natur, stabile Gemeinden und eine lebendige Kultur. Wenn diese Grundlagen immer mehr unter Druck geraten, verliert Wohlstand seine Substanz.

    Die Realität erleben wir im Alltag. Überfüllte Züge, verstopfte Strassen, steigende Mieten und ganze Landschaften die verschwinden.
    Während wenige profitieren, trägt die breite Bevölkerung die Folgen , Pendler, Fa-
    milien, Wohnungssuchende, Gemeinden.

    Die Schweiz ist klein. Gerade deshalb wirken Veränderungen hier schneller und stärker als anderswo. Was aus dem Gleichgewicht gerät, lässt sich nicht einfach ausblenden.

    Ein Ja zur Nachhaltigkeitsinitiative ist ein pragmatischer und vernünftiger Schnitt. Es ist ein Innehalten. Ein Moment, um das Mass wiederzufinden, das verloren gegangen ist. Weiter wie bisher? Sollen kommende Generationen unser heutiges Nichthandeln ausbaden?

    Es geht nicht um Parteipolitik, es geht um unser Land, um unsere Zukunft.

    Ich stimme JA, weil ich will, dass die Schweiz sich selbst nicht verliert.
    Ich stimme JA, bevor aus Veränderung Verlust wird.
    Ich stimme JA, weil wir jetzt handeln müssen, nicht später.


    ZUR PERSON: Christoph Riner ist Kaufmann und wohnt in Zeihen AG. Er wurde 2023 für die SVP in den Nationalrat gewählt und ist dort Mitglied der Staatspolitischen Kommission. Zuvor war er von 2009 bis 2023 Mitglied des Aargauer Grossen Rates und in verschiedenen Kommissionen tätig. 2016 war er Präsident der Einbürgerungskommission des Grossen Rates.

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